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Erfahrungsbericht ADAC Motorradtraining Teil 1 | selbstbezahlte Werbung

Posted in Events & Veranstaltungen, and Testberichte


Vergangenen Freitag besuchte ich bereits zum zweiten Mal ein Fahrsicherheitstraining beim ADAC. Einmal durch das recht vielfältige Angebot durchgewühlt, entschied ich mich für den Saisoneinstieg wieder für das Motorrad-Intensiv-Training. Dieses klassisches Motorradtraining setzt seine Schwerpunkte auf die Verfeinerung des Balancegefühls und der Schräglage-Reserven durch die richtige Lenktechnik sowie auf optimales Bremsen und schnelles Ausweichen. Genau das kam wie gerufen für mich! Lest weiter, wenn ihr mehr über dieses Training und meinen Tag beim ADAC erfahren wollt.

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Bildquelle: Pixabay

In diese Saison bin ich trotz aller Euphorie auch mit einem mulmigen Gefühl gestartet. Mein Selbstvertrauen irgendwo im Winter zwischen den kalten Tagen und ein paar anderen Sorgen verloren, fühlte ich mich meinen Motorrädern plötzlich ein wenig fremd. Alles war beim Alten, nur ich nicht so ganz. Also meldeten ein Freund und ich uns kurzerhand für das Motorrad-Intensiv-Training beim ADAC an. Hier erfährst du mehr zum Trainingsangebot des ADAC, falls dieser Beitrag dein Interesse dazu wecken sollte. Und hier, falls du ebenso etwas in der Region Leipzig/Halle suchst.

Disclaimer: Dieser Blogbeitrag soll nicht als Ratgeber in Sachen Trainingstechniken verstanden werden. Diese Dinge ausführlich zu erklären würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und mir mangels fachlicher Expertise auch nicht zustehen. Vielmehr möchte ich einen Einblick in das Motorradtraining geben, welches ich absolviert habe, und setze daher nur punktuell an einige Techniken an. Das Lesen dieses Beitrags ersetzt also keinesfalls das eigenständige Absolvieren der Übungen in Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings.

Ready, set, go!

26.04.2019, ca. 9:00 Uhr – Angekommen beim ADAC in Dölzig ging es für uns und unsere Motorräder nach einer kurzen Vorstellungs- und Einführungsrunde direkt auf das Trainingsgelände. Dieses erinnert mit einer ca. 35.000 m² große Fläche eher an einen Verkehrsübungsplatz. Mit 3 Dynamikflächen, einer Kurven- und Kreisbahn sowie einem Rundkurs ist dieser allerdings gut und ausreichend ausgestattet, um den Trainingsinhalten gerecht zu werden.

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Insgesamt zu 12. waren wir, was uns als Fahrer aber auch unsere Maschinen betraf, eine bunte Truppe. Unser Trainer Christian erklärte uns zunächst den Aufbau des Platzes und wie wir uns auf diesem zu verhalten hatten. Mit Funkgeräten ausgestattet fuhren wir daraufhin ein paar Aufwärmrunden, um schließlich eine vorgegebene Strecke selbstständig abzufahren.

Körperhaltung und Lenkimpuls

Gespickt war diese Strecke mit einem „schnellen Slalom“, den wir zunächst mit verschiedenen Körperhaltungen und Blickrichtungen zu absolvieren hatten. Per Funk kamen die Anweisungen. Daraufhin haben wir gemeinsam analysiert, welche Körperhaltung sich für eine sichere und präzise Beherrschung des Motorrades gut angefühlte.

Leicht angewinkelte Arme, ein gerader Rücken, kein Klammergriff am Lenker, Knie und Körper nah am Tank, ein offener und richtungsweisender Blick sowie die Fußballen auf den Rasten: die Quintessens dieser Selbstversuchsreihe und für mich eine gute Erinnerung, nicht in alte Verhaltensmuster der Bequemlichkeit zu verfallen. Warum diese Art der Körperhaltung wichtig ist, könnt ihr hier im Detail nachlesen.

Daraufhin begann die Arbeit mit dem Lenkimpuls, der in vielen Fällen eigentlich gar kein – wie das Wort eigentlich suggeriert – kurzzeitiger Impuls ist. Vielmehr ist er ein wohldosiertes und anhaltendes Schieben am Lenkerende der Richtung, in die man fahren möchte. Für eine Rechtskurve wird bewusst am rechten Lenkerende gedrückt und für eine Linkskurve am linken Lenkerende. Das ist eigenlich ganz einfach zu merken, oder? Wie das Ganze aus fahrphysikalischer Sicht funktioniert, wird hier sehr verständlich erklärt.

Als größte Erkenntnis aus meinem letzten Training war das für mich eine willkommene Auffrischung des bereits Gelernten. Denn lange Zeit habe ich wirklich falsch oder gar nicht mit dem Lenkimpuls gearbeitet. Eine Sache, die ich nun seit letztem Jahr ziemlich bewusst anwende und mir immer wieder zeigt, dass das bewusste Impulsgeben einen großen Unterschied macht.

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Bildquelle: Pixabay

Ausweichmanöver und Gefahrenbremsung

Die Erkenntnisse zum Lenkimpuls nutzen wir gleich im Anschluss, um uns gegen das Ausweichen plötzlich auftretender Hindernisse zu wappnen. Diese bestanden auf dem Übungsplatz nicht aus realen Gefahrenquellen, sondern wurden lediglich mit Hütchen angezeigt. Allerdings steigerte unser Trainer irgendwann die Schwierigkeit, als er uns erst kurz vor Passieren der Hütchen zurief, in welche Richtung wir auszuweichen hatten.

Nicht selten wäre ich dabei direkt in das fiktive Auto gekracht oder hätte es zumindest touchiert, da mein Unterbewusstsein zunächst machte was es wollte. Am Ende dieser Übungseinheit hat das dann aber tatsächlich ganz gut und schwungvoll geklappt.

Eine Sache die sich wahrscheinlich für uns alle unangenehm anfühlt, stand als nächstes auf dem Plan: die Gefahrenbremsung. Auf die Uhr habe ich nicht geschaut, aber ich schätze wir haben die Übungen dazu über eine Stunde betrieben. Jedenfalls kam ich dabei mächtig ins Schwitzen. Mit der Zeit gelang es mir aber einen ebenso kurzen, sicheren und stabilen Bremsweg hinzulegen, wie ihn uns unser Trainer vorgelegt hatte.

Für mich bestand der Geheimtrick daraus, mich mit dem Blick auf die mittelbare Ferne zu konzentrieren. Wie von Zauberhand stabilisiert sich die Maschine, wenn man beherzt in die Eisen geht und alle anderen Anweisungen befolgt, den Blick aber nicht auf das Vorderrad oder die unmittelbare Umgebung richtet. Habe ich dies jedoch getan, wurde die Maschine wackelig und instabil. Meine Aufmerksamkeit konzentrierte sich durch meinen falschen Blick nicht mehr auf das Wesentliche, sondern nur auf die wohlmöglich rumeiernde oder umkippende Maschine. Eine sehr neue, aber hilfreiche Erkenntnis für mich. Habt ihr das auch schon mal ausprobiert?

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Quelle: Pixabay

Balancegefühl und Blickrichtung

26.04.2019, ca. 13:30 Uhr – Nach der Mittragspause, welche eine nicht abzustreitende Müdigkeit mit sich brachte, drehte sich zunächst alles ums Thema Geschicklichkeit und Balance. Die erforderlichen Lenk- und Körperbewegungen in Verbindung mit der Koordination von Kupplung, Gas und Bremse stellte hohe Ansprüche an jeden von uns. Meiner Meinung nach einer der Königsklassen beim Motorradfahren.

Die Balance bei geringen Geschwindigkeiten zu halten fällt mir daher noch immer sehr schwer, wenn ich dabei auch noch „Kunststücke“ vollführen soll. Übungen wie große und kleine Achten, langsamen Slalom oder in einer kleinen Box wenden, müsste ich wahrscheinlich einige Stunden und Tage absolvieren, um sie annähernd so gut zu auf Lager zu haben wie unser Trainer. Das ein oder andere Mal habe ich gejammert, aber gerade das Losfahren mit voll eingeschlagenem Lenker klappte nach ein paar Anläufen schon ganz gut, ohne das ich den Fuß zum nachjustieren abgesetzt habe.

„Du bist eine stolze Motorradfahrerin, Blick nach oben!“, riet mir unser Trainer im Angesicht meines (wieder mal) angespannten Blicks auf den Boden. Das richtige Schauen gehört zu den Grundwerkzeugen beim Motrradfahren und immer und immer wieder muss ich mir das in Gedächtnis rufen. Vor allem nach der Saisonpause.

Danach ging es für uns auf die Fläche links oberhalb des Übungsplatzes, um dort das Bremsen bei gleichzeitigem Impulsgeben, einer weiteren Variation des Ausweichens, zu üben. Eine Wiederholung dessen, was wir bereits zum Lenkimpuls und zur Gefahrenbremsung gelernt hatten. Nur, dass wir beides nun miteinander kombinierten. Ebenso das Bremsen auf nassem Untergrund übten wir kurz, um die Bedenken einiger Teilnehmer hierzu ziemlich schnell zerstreuen zu können. Übrigens gehen die Trainer ebenso auf die etwas abweichenden Techniken für Maschinen ohne ABS ein.

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Quelle: Pixabay

Kurventechniken

Für die restliche Zeit des Trainingstages ging es dann in den Kreisel, im dem wir 3 verschiedene Kurventechniken übten – Legen, Drücken, Gewichtsverlagerung (kein vollendeter Hanging-Off). Einige Runden konnten wir uns in den verschiedenen Kurventechniken probieren. Hier machte ich auch die Erfahrung mit dem Hinterrad auf einer Teerspur wegzurutschen. Doch mein Motorrad brachte ich schnell wieder unter Kontrolle, so dass auch das definitiv eine gute und lehrreiche Erfahrung war.

Schließlich wurde es interessant, als das Bremsen in Schräglage auf dem Plan stand. Der Trick dabei ist lediglich zum Bremsen zusätzlich den Lenkimpuls zu geben und die Maschine trotz Geschwindkeitsabbau somit weiter in Schräglage zu halten. Eine Technik, die mir großen Spaß bereitet und die ich bereits letztes Jahr erlernte.

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Das Resümee

26.04.2019, ca. 17:00 Uhr – Nach ca. 8 Stunden reiner Trainigszeit waren wir am Ende von unserem Motorradtraining angelangt und kehrten zurück in den Besprechungsraum. Dort zogen wir ein gemeinsamens Resümee über den Tag und bekamen unsere Urkunden ausgereicht. Der Tag hat mir defintiv ein großes Stück (Selbst-)Vertrauen zurück gebracht und unnötige Sorgen, die sich so manchmal einschleichen, zerstreut.

Wenn ich euch einen Tipp geben kann, dann ist es dieser: Kommuniziert offen eure Schwächen und die Dinge, die ihr verbessern möchtet! Schämt euch für nichts. Direkt in der Einführungsrunde habe ich ansgesprochen, was mir aktuell schwer fällt. Unser Trainer ist daraufhin auf dieses Themen eingegangen, indem er mich öfter beiseite gewunken und mir wertvolle Tipps gegeben hat. Einfach weil er sich darauf eingestellt hat, womit ich mich schwertue. So könnt ihr einen Tag wie diesen effektiv für euch nutzen.

Im 2. Teil in der kommenden Woche werde ich euch eure spezifischen Fragen zum Motorradtraining beim ADAC beantworten, die ihr mir auf Instagram gestellt habt. Unter anderem werde ich darauf eingehen, warum ich ein Fahrsicherheitstraining jedem Motorradfahrer und jeder Motorradfahrerin empfehlen kann und warum ich mich einerseits ein wenig geärgert habe, dieses nicht mit meiner Fireblade absolviert zu haben, andererseits diese Entscheidung aber genau die richtige war.

Hättet ihr diese Übungen direkt beherrscht oder seid ihr auch der Meinung, dass man die richtige Reaktion in Gefahrensituationen nie genug üben kann? Ich hoffe, euch bei weiteren Trainings mehr Fahrbilder zeigen zu können und verbleibe mit vielen Grüße sowie dem Wunsch nach einem guten Wochenstart für euch,

Marie

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2 Comments

  1. David Schneider
    David Schneider

    Hallo Marie,
    sehr spannender Artikel! Ja ich denke auch, dass man die richtigen Techniken und wie man richtig in Gefahrensituationen reagiert immer wieder aufs Neue üben sollte, auch wenn ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich schon länger kein ADAC-Training mehr gemacht habe=) Aber bei mir klappt eig alles auch so ganz gut!
    Weiter so! 😉
    DLzG David

    6. Mai 2019
    |Reply
  2. Joe
    Joe

    Wieder ein schöner Beitrag. Genug Training, mit wertvollen Tipps von Trainern/ Experten, gibt es nicht.
    Mich würde es sicher auch weiterbringen und meine Technik verbessern – vor allem in Gefahrensituationen.
    BG Joe
    @joe_vfr1200x

    7. Mai 2019
    |Reply

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