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Bike couple – die perfekte Beziehung?

Posted in Kolumne

Wer sich in den sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co. rumtreibt, dem wird die Idealisierung einer ganz bestimmten Beziehungsform sehr bekannt vorkommen – das Bikerpärchen. Kurz vor Valentinstag (den wir übrigens nicht feiern) stelle ich mir also die Frage: warum wird eine Partnerschaft, in der beide Motorrad fahren glorifiziert und ist das gemeinsame Hobby wirklich der Garant für eine lange, glückliche Beziehung?

Um der Sache auf die Spur zu gehen, hatte ich euch vor zwei Wochen auf meinem Instagram-Account gefragt, was es für euch bedeutet, wenn euer Partner Motorrad fährt und ob euch das überhaupt wichtig ist. Euere Antworten waren nicht nur vielfältig, sondern regelrecht spannend. Der Erfahrungsaustausch mit euch hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und ca. 90% der Meinungsäußerungen gingen definitiv in die gleiche Richtung: „Ja, ich finde es gut und vor allem wichtig, dass mein Partner diese Leidenschaft mit mir teilt. Akzeptanz fürs Motorrad fahren sollte aber in jedem Fall herrschen, auch wenn er oder sie sich nicht für dieses Hobby begeistern kann.“

unbenannt

Zwei sehr unterschiedliche, aber wirklich interessante Meinungen möchte ich euch nicht vorenthalten:

„Aaaalso.. Ich hab 10 Jahre gebraucht, bis ich meine Frau überhaupt hinten drauf bekommen hab..vorher keine Chance.. Dann endlich ja, und dann auch direkt ne längere Tour mit ihr gemacht.. Am Ende kam es dann so, das sie auch überlegt hat, den Lappen zu machen.. Aber wie das so ist..Entweder fehlt Zeit Geld oder was anderes kommt dazwischen.. Also hab ich dann heimlich ne alte Suzuki besorgt und schick gemacht, und ihr die anschließend zum 40gsten Geburtstag vor die Tür gestellt. Auf den Satz „aber ich hab doch keinen Lappen“ konnte ich mit.. „Montag hast erste Fahrstunde, hab dich angemeldet“ antworten.. Seitdem fahren wir jetzt beide, ich aber wegen Zeit und Familie öfters alleine, was auch überhaupt kein Thema ist…umgekehrt wärs mir auch egal.. So sollte das immer sein.. Besser geht’s eigentlich auch nicht..

„Bin 40 und mache gerade den Führerschein. Aus dem Grund, endlich etwas zu machen, was nur für mich ist, keine Frau, keine Kinder, einfach alleine mit dem Motorrad und der Straße.“

Wenn ihr mich fragt, dann sind gemeinsame Hobbies als Bestandteil einer gut funktionierenden Beziehung generell unverzichtbar. Der Ausgleich vom Alltag, Erinnerungen schaffen, gemeinsames Erleben, miteinander an einer Sache aufblühen und wachsen, sich gegenseitig unterstüzen und fördern, zusammen Spaß am Leben haben. Einige wichtige Aspekte, die für mich in einer Partnerschaft unbedingt dazu gehören.

Damit meine ich aber nicht, dass das komplette Leben miteinader statt finden muss. Ich bin absolut kein Fan davon, dass man nur noch als Paar fungieren kann und darf und somit eine unaufweichliche Symbiose eingeht. Demgegenüber bringt es meiner Meinung nach aber auch nichts, wenn jeder vom anderen abgekapselt sein Leben führt und den Partner nicht teilhaben lässt.

Wie so oft denke ich: die Mischung machts. Und ganz wichtig ist meiner Meinung nach, dass wenn ein Hobby gemeinsam ausgelebt wird, sich Beide damit absolut wohl fühlen müssen. Ein gemeinsames Interesse an einer Sache kann man weder erzwingen, noch tut das in diesem Falle der Partnerschaft gut. Beim Thema Motorrad fahren fände ich das sogar regelrecht fatal und vor allem gefährlich. Die aufkeimenden Eifersüchteleien, nicht mit dem Partner mithalten zu können, hat schon so manche Beziehung zerstört.

Diese Eifersucht habe auch ich verspürt, als mein Freund und ich vor zwei Jahren gemeinsam den Motorradführerschein gemacht haben. Während er schon immer Motorrad fahren wollte, habe ich mich ihm angeschlossen, ohne zu wissen, was da eigentlich auf mich zukommt. Und es kam wie es kommen musste: er das Naturtalent und ich der Bruchpilot, der in der ersten Fahrstunde nicht mal die Maschine ordentlich zum stehen bringen konnte.

Aber mich packte genau deswegen der Ehrgeiz und am Ende der Ausbildung staunte ich micht schlecht, was doch in mir steckte. Genau das habe ich aber zu einem großen Anteil auch meinem Freund zu verdanken, da er mich immer wieder aufbaute und bestärkte. Mit viel Geduld hat er mir immer wieder meine Fragen beantwortet und einfach fest an mich geglaubt. Und so blühten wir gemeinsam an der neuen Leidenschaft auf. Ein tolles Gefühl!

Doch was ist, wenn das so nicht funktioniert und die gemeinsame Unternehmung scheitert? Wenn mein Partner einer intensiven Leidenschaft nachgeht – wie es beim Thema Motorrad oft der Fall ist – welche ihn regelrecht in Beschlag nimmt? Wenn diese Beschäftigung zu viel Energie und Platz beansprucht und die Zeit für Gemeinsamkeit auf der Strecke bleibt?

Meiner Meinung nach kann dann nur große Akzeptanz, Kompromissbereitschaft und die Selbstverwirklichung in eigener Sache helfen. Wenn man schmollend auf der Couch sitzt, während der Partner die besten Zeiten seines Lebens hat, dann kann man nicht erwarten, dass irgendetwas besser wird. Jeder ist ein eigener, selbstständiger Mensch. Wenn man sich selbst überdrüssig ist und nichts mit sich anzufangen weißt, warum sollte der Partner das anders sehen?

Daher mein Tipp: miteinander reden, Verständnis haben und unbedingt gemeinsame Zeit neben den (nicht gemeinsamen) Hobbies finden. „Eine glückliche Paarbeziehung ist immer wieder ein Balanceakt zwischen dem Stellen von Forderungen und dem Schließen von Kompromissen.“, so Dörthe Hut. Keine Beziehung funktioniert ohne Kompromisse. Leider geht meiner Meinung nach die Bereitschaft dazu in unserer heutigen Gesellschaft aber immer mehr verloren. Selbstverwirklichung? Unbedingt! Um jeden Preis? Dann bleib lieber Single.

Für die getrennt verbrachte Zeit kann es ein Leichtes sein, eine Sache zu finden, die Spaß macht. Mein Freund und ich teilen unheimlich viele Leidenschaften: Kraftsport, Motorrad fahren, unsere Haustiere, Essen ;-). Aber genauso wenig wie ich mit Football, Boxen oder Gaming etwas anfangen kann, hat er etwas mit dem Bloggen oder Make-Up am Hut. Denn: die Mischung machts ;-).

Am Schluss noch einmal zurück zur Kernfrage: ist das gemeinsame Hobby Motorrad fahren der Garant für eine lange, glückliche und Beziehung? Ich für meinen Teil habe festgestellt, nachdem ich mir die Frage selbst einmal stellte, dass ich mir einen Partner, der nix mit Motorrad fahren am Hut hat, nicht mehr vorstellen könnte. Das liegt zum Großteil daran, dass mich dieses Thema einfach unheimlich viel beschäftigt und es für mich wenig Schöneres gibt, das gemeinsam mit meinem Freund auszuleben. Außerdem fungiert er in vielen Bereich für mich als eine Art Lehrer, ohne den ich manchmal verdammt aufgeschmissen wäre. Das Motorrad fahren hat uns noch mehr zusammen geschweißt und bereichert unser Zusammensein ungemein.

Ich glaube aber nicht, dass nur die gemeinsame Leidenschaft des Bikens eine Beziehung am Leben erhält oder erhalten kann. Da gehört schon einiges mehr dazu. Das Leben ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Das Leben kann verdammt hart sein und in einer guten, ehrlichen Beziehung steckt viel Mühe. Auch wir arbeiten viel, schlafen wenig und müssen Probleme bewältigen. Das Nachgehen von gemeinsamen Leidenschaften ist aber das, was uns am Ende eine anstrengenden Tages immer wieder verbindet. Für mich die Idealvorstellung. Für dich auch? Lass es mich wissen!

Viele Grüße, Marie

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2 Comments

  1. Carmen
    Carmen

    Hallo Marie,

    ein sehr interessantes Thema. Ich persönlich kann mir auch keinen Partner vorstellen, der nicht Motorrad fährt. Es fängt schon damit an, dass diese Männer nicht viel mit Motorrad und Motorradrennsport am besagtem Hut haben. Hier wird es dann für mich schon schwierig, da ich mir gerne auch die MotoGP-Rennen angucke. Es müssen ja nun nicht alle Qualifights sein, aber das Rennen an sich, gucke ich schon ganz gerne. Deshalb kommt für mich zum Beispiel, auch nicht ein Partner mit einer Affinität zum Fußball in Betracht. Ich mag einfach kein Fußball und so eine ganze Saison ist dann für mich der Horror. 🙂
    Klar fahre ich auch mal mit dem Motorrad zur Arbeit oder nach Feierabend eine Runde, aber eigentlich fährt man ja doch eher am Wochenende intensiver. Wenn man nun einen Partner an seiner Seite hat, der kein Motorrad fährt, dann muss man schon viel mehr Rücksicht nehmen, da dieser es nicht verstehen kann, warum man dieses Hobby so gerne hat und Diskussionen deswegen werden natürlich vorprogrammiert sein. Schließlich möchte der Partner (im Idealfall) ja auch am Wochenende mit uns Zeit verbringen.
    Für mich ist es gar nicht so wichtig, dass mein Partner unbedingt mit mir zusammenfährt, viel mehr schätze ich die gemeinsame Leidenschaft und das gegenseitige Verstehen, warum Motorrad fahren so schön ist. :).
    Eins ist aber auch gleich gesagt: Um einen Partner, der auch Motorrad fährt mache ich mir mehr Sorgen, als um einen, der nur im Auto unterwegs ist. 😉

    Liebe Grüße
    Carmen

    21. Februar 2017
    |Reply
  2. Motorradmieze
    Motorradmieze

    Hallo Carmen :-).
    Da gebe ich dir zu 100% recht. Auch mir ist es nicht in erster Linie wichtig, dass man immer und überall zusammen mit dem Motorrad unterwegs ist, sondern das man grundsätzlich diese Leidenschaft teilt und genau deswegen auch Verständnis für den anderen hat. Es gibt Tage, da ist mir zB. nicht danach, bei einer „leistungsstarken Gruppe“ mitzufahren und dann zieht er eben alleine los. Genauso handhaben wir es andersrum, wenn ich an Ausfahrten teilnehme, die nichts für ihn sind oder er keine Zeit hat. Manchmal bin ich sogar komplett allein unterwegs – auch, wenn ich das meistens langweilig finde ;-). Wir lassen uns da viel Freiraum, genießen das gemeinsame Hobby aber auch liebendgern zusammen.
    Ich hoffe, wir beide sehen uns mal mit Maschine :-). Viele liebe Grüße, Marie

    26. Februar 2017
    |Reply

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