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Warum Motorrad fahren dich nicht automatisch umbringt – Tipps zur Unfallprävention

Posted in Kolumne, and Touren & Reisen

Panikmache, Schlechtreden, Neid. Aus vielerlei Gründen wird Motorrad fahren vorverurteilt und als übermäßig risikobehaftetes Hobby eingeschätzt. Wenn ihr mich fragt ist das absoluter Blödsinn.

Zuerst möchte ich sagen: natürlich gibt es leider Situationen im Leben, da ist man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Jeder von uns kennt wahrscheinlich mindesten einen Menschen, der durchs Motorrad fahren ums Leben gekommen ist. Es ist demnach nicht von der Hand zu weisen, dass wir BikerInnen eine gewisse Risikogruppe im Straßenverkehr darstellen. Aber wie viele MotorradfahrerInnen kennt ihr, denen nie etwas ernsthaftes zugestoßen ist? Ist das nicht die deutliche Mehrheit?

Denn wie so oft im Leben hast du auch beim Motorrad fahren zwar nicht alles, aber vieles selbst in der Hand. DEINE Fahrweise bestimmst DU. Gehen mit dir gerne mal die Pferde(-stärken) durch, wirst du es wahrscheinlich schwer haben, der ein oder anderen brenzligen Situation aus dem Weg zu gehen. Manche mögen gerade dieses Risiko. Ich aber sage dir, dass man mit Köpfchen fahrend, den Umständen angepasst und seinen Überlebensinstinkten trauend*, trotzdem eine Menge Spaß haben kann und das Unfallrisiko deutlich senkt. Man schließt es nicht aus, nein. Aber du kannst für dich entscheiden, ob du alles in deiner Macht stehende dafür tun möchtest in der Senkrechten zu bleiben oder eben nicht.

* Während ich meinen Führerschein gemacht habe, wollte ich von meinem Fahrleher wissen, wie viele Unfälle es bei ihm schon mit Fahrschülern gegeben hat und ob es nicht unheimlich schwierig sei, diese zu verhindern, da er ja nicht wie bei der PKW-Ausbildung direkt ins Geschehen eingreifen kann. Als er mir sagte, dass es bisher keine schwerwiegenden Zwischenfälle gab, war ich doch sehr erstaunt. Mit einem Augenzwinkern hinzufügend sagte er, dass der pure Überlebensinstikt zumindestens noch während der Fahrschulzeit das Nötigste tut.

Was ich dir sagen möchte ist: du musst nicht „auf der letzten Rille fahren“, du musst nicht mit jedem mithalten können, du musst nicht der oder die Schnellste auf der Straße sein – weißt du, was du wirklich musst? Einfach Spaß haben bei dem was zu tust und vor allem: auf dich aufpassen. Gehst du gern das ein oder andere Risiko ein, dann tue das und sei dir der möglichen Folgen für dich und deine Mitmenschen (!) bewusst. Lehnst du das Motorrad fahren aber nur aufgrund der Horrorgeschichten, die bei Oma´s 75. vom Ex-Mann der Stiefschwester des Nachbarn zwei Häuser weiter ausgepackt werden ab, lass dir gesagt sein: du verpasst etwas.

Meiner Meinung nach gibt es ein paar einfache Regeln, um das Unfallrisiko deutlich zu verringern:

  • Fahre vorrausschauend und denke für ALLE Verkehrsteilnehmer mit. Auch für die, die du möglicherweise noch gar nicht siehst (siehe haltender Bus, parkende Autos, Waldschneisen, hoch stehende Maisfelder, etc.)
  • Passe dein Fahrverhalten der Witterung und Tageszeit an. Rechne in der Dämmerung bspw. vermehrt mit Wildwechsel.
  • Passe deine Geschwindigkeit dem eigenen Können und der Verkehrssituation an. Übermut tut selten gut.
  • Fahre immer mit der richtigen Schutzausrüstung. Du hast keine Knautschzone. Das einzige was dir im Fall der Fälle übrigbleibt ist deine MOTORRADkleidung.
  • Steige niemals übermüdet oder gar alkolisiert auf dein Motorrad. Du gefährdest damit nicht nur dich selbst, sondern vielleicht sogar andere.
  • Bestehe niemals auf dein Recht. Was nützt es dir, wenn du dir dein Vorfahrtsrecht nimmst und dafür im Graben oder auf einer Heckscheibe landest?
  • Wer Agression in sich verspürt, sollte das Bike stehen lassen. Wut macht blind und führt zum Tunnelblick. Somit verlierst du schnell den nötigen „Rundumblick“.
  • Höre auf deine Angst und schäme dich ihretwegen nicht. Wenn dich etwas oder jemand überfordert, brich die Situation ab und fahre so, wie du dich sicher fühlst.
  • Fahre ein Motorrad was zu dir passt! Fühlst du dich langfristigt nicht wohl auf deinem Bike, hat es keinen Sinn, sich länger unnötigen Risiken auszusetzen, weil du es nicht oder nur schwer händeln kannst. Nur wer eine Einheit mit der Maschine bildet, ist wirklich zufrieden und selbstsicher unterwegs.
  • Bist du zu zweit oder in der Gruppe unterwegs und du weißt, dass der „Anführer“ sehr erfahren ist und die Strecke gut kennt, dann achte unbedingt auf sein Fahrverhalten. Daran kannst du ablesen, wie auch du dich zu verhalten hast.
  • Verliere niemals den Respekt vor deiner Maschine und dem, was du da tust.

Was ich zum Schluss noch anmerken möchte: auch ich erwische mich immer wieder dabei, meine guten Vorsätze oder einige der hier genannten Ratschläge zu missachten. Niemand von uns ist fehlerfrei. Aber immer wenn ich Situationen erlebe, in denen mein Schutzengel schlussendlich doch (glücklicherweise!) ganz dicht an meiner Seite geflogen ist, rufe ich mir in Erinnerung, dass ich seine Dienste nicht überstrapazieren sollte.

Habt ihr noch weitere Tipps, um das Risiko beim Motorraf fahren zu minimieren? Oder habt ihr eine ganz andere Sichtweise als ich? Dann lasst es mich wissen.

Ich freue mich über euere Kommentare.

Viele Grüße, Marie

Bild: noirjn & lyra

 

 

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7 Comments

  1. Werner-Fred Freese
    Werner-Fred Freese

    Ich hab mit 18 meinen Motorradführerschein gemacht und mit einem Motorroller angefangen,vor 29 Jahren wieder angefangen mit einer 250ger .Der Respekt vor einem Motorrad ist sehr wichtig,habe noch Keinen Unfall gehabt,außer mit dem Roller.

    17. Januar 2017
    |Reply
  2. Motorradmieze
    Motorradmieze

    Ja, ich denke auch, dass der Respekt das A und O ist ;-). Finde es toll, dass du bisher keinen Unfall hattest. So kann es eben auch gehen :-)!

    18. Januar 2017
    |Reply
  3. Danke für die Tip, passt gut zu meinem Motorrad Stil.
    Ich tobe mich auch eher im Gelände, oder auf der Rennstrecke aus, damit ich mich im Straßenverkehr weniger in einen -verlockenden- Geschwindigkeitsstreß bringe
    Außerdem hilft im Gelände, oder auf der Rennstrecke, fahren Grenzbereiche erkennen lernen, und damit extreme Situation unter sicherer Ausgangsituation zu üben.
    Falls ich dann doch auf der Straße von einer Situation überrascht werde, kann ich zumeist doch die Situation noch entschärfen bzw. verhindern.
    So habe ich zumindestens den Zusammenstoß mit einem Auto am Großklockner ohne gröberen Schaden überlebt. 😉

    26. Januar 2017
    |Reply
  4. Motorradmieze
    Motorradmieze

    Danke für dein positives Feedback :-). Finde deine Einstellung sehr gut! Die Erfahrungskomponente spielt im Zweifelsfalle oftmals eine entscheidende Rolle. Man reagiert ja doch völlig „unbewusst“ bzw. automatisch. Daher ist mein Motto auch: fahren, fahren, fahren ;-). Umso mehr schwierige Situationen man schon bewältigt hat, umso sicherer wird man. Viele Grüße, Marie

    29. Januar 2017
    |Reply
  5. Hi!
    Auch diesen Blog finde ich super! Du hast super viele ganz wichtige Punkte notiert!

    Ich würde noch sagen:
    Lass Dich nicht von anderen hetzen und beeinflussen. Überhole, wenn DIR danach ist und nicht, weil andere Dir in der Pause gesagt haben, dass Du öfter überholen sollst.
    Nur Du kannst entscheiden, ob Du gerade lieber gähnst, einen Krümel im Auge hast, unkonzentriert bist oder auch einfach gar keine Lust hast, gerade zu überholen. Denn passiert Dir dabei etwas, wird niemand von den Schwätzern vom Stammtisch davor die Verantwortung übernehmen. Denn auch die hast nur Du selber! Also: Lass Dich nicht beeinflussen! Dein Leben, Dein Risiko!

    27. April 2017
    |Reply
    • Motorradmieze
      Motorradmieze

      Liebe Julia, du sprichst mir aus der Seele! Genauso sehe ich es auch. Ein sehr guter Punkt, den du da ansprichst.
      Gerade was das Überholen angeht schaue ich lieber zweimal hin. Viele wissen, dass es als Motorradfahrer oft Lücken gibt; anders als beim Autofahren. Aber darauf möchte ich mich nicht verlassen.
      Ich habe aber fast durchweg positive Erfahrungen gemacht, dass sowas akzeptiert und respektiert wird. Und wo es eben nicht harmoniert, wird eben kein zweites Mal zusammen gefahren.
      Am Anfang habe ich mich da echt unter Druck gesetzt, weil ich mithalten wollte und das sich ja keiner wegen mir langweilt. Mittlerweile denke ich, dass ich schon ganz gut fahre und alle ihren Spaß haben. Außerdem weiß ich, dass jeder mal angefangen hat und jeder sein eigenes Tempo besitzt. Das ist auch gut so. Gesund zu Hause ankommen, das ist wichtig. Nichts anderes.
      Liebe Grüße, Marie

      27. April 2017
      |Reply

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